Das Drachenlabyrinth ist ein Ort, an dem Abenteuer und Lernen Hand in Hand gehen. Im Vordergrund steht dabei das Fördern und Fordern grundlegender pädagogischer Kompetenzen.

Kompetenzen

  • Kommunikation
  • Kooperation
  • Gruppenbildung
  • Expertensystem
  • Angstbewältigung
  • Motivationstraining
  • Verbesserung der Selbstwahrnehmung
  • Stärkung des Selbstbewusstsein
  • Fehler und Irrwege als Chance ansehen
  • Konflikte lösen und aushalten

Kommunikation

Unsere modere Informationsgesellschaft beruht zu großen Teilen darauf, mit anderen Personen in schriftlichen oder mündlichen Kontakt zu treten. Für viele Kinder stellt es jedoch eine große Herausforderung dar, auf andere zuzugehen und Fremde anzusprechen. Das Drachenlabyrinth bietet eine ungezwungene Plattform, auf der Kinder spielerisch mit anderen Kindern und Erwachsenen in Kontakt treten können. Durch eine gemeinsame Themenbasis fällt es den Kindern hier wesentlich einfacher, andere anzusprechen. Besonders das Tauschen und Handeln des Spielgeldes bietet den Kindern eine Brücke für erste Kontaktversuche. Ein kurzes „hast Du Kupfer?“ reicht aus, um ein Gespräch zu eröffnen. Die anderen Kinder werden als Teil des Spiels und als Gemeinschaft von Abenteurern mit gleichen Zielen begriffen. Auf diese Weise bewirkt die Atmosphäre des Drachenlabyrinths, das selbst Kinder, die von Eltern und Erzieher als ängstlich, schüchtern und kontaktscheu beschrieben werden mit anderen Kindern ins Gespräch kommen und dieses allmählich sogar von sich aus suchen.

Kooperation

Die Abenteuer des Drachenlabyrinth lassen sich sowohl alleine wie auch mit Freunden lösen. Jeder Teilnehmer sucht sich zu Beginn des Spieles eine Spielfigur aus, deren Ausrüstung ihm bei seinen Abenteuern helfen. Jedoch kann kein Spieler alle nützlichen Dinge erreichen. Daher ist es für die Spieler von Vorteil, sich mit anderen zusammen zu schließen um von deren Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenständen zu profitieren. Die Kinder erfahren so spielerisch, dass man gemeinsam mehr erreichen kann als alleine, und erproben verschiedene Arten von Teamwork aus: Von spontanen informellen Zusammenschlüssen, die sich nach kurzer Zeit wieder auflösen über abgesprochene gegenseitige Hilfestellung, Dienstleistungen gegen eine Bezahlung in Form von Spielgeld und langfristige Teams, aus denen sogar Freundschaften wachsen ist alles möglich.

Gruppenbildung

Im Drachenlabyrinth gibt es die Gelegenheit, ein Abenteuer als feste Gruppe zu erleben, beispielsweise an einem Kindergeburtstag. Die Kinder findet sich als eine Gruppe von Individuen in der Abenteuerwelt ein. Nicht alles läuft in dieser Gruppe gleich perfekt. Jeder hat eigene Erwartungen und Ziele. Für das Geburtstagskind ist es eine einmalige Erfahrungen, diese individuellen Voraussetzungen zusammenzuführen. Die Gruppe erlebt ein gemeinsames Erfolgserlebnis im Lösen der Aufträge, überwindet die Angst vor dem Unbekannten und erfährt, dass eine Zusammenarbeit mit anderen Vorteile bringt. Dieses gemeinsame Erlebnis stärkt das Gruppengefühl und zeigt, dass man gemeinsam stärker ist als alleine – eine Erfahrung, die auch im Alltag weiter hilft.

Expertensystem

Das Drachenlabyrinth bietet eine Abenteuerwelt von gewaltiger Tiefe und Komplexität. Gleichzeitig gibt es eine hohe Einsteigerfreundlichkeit. Jeder kann sofort beginnen, ohne Vorwissen zu haben. Die Spielregeln erschließen sich im Laufe des Spiels. Der Spieler wächst Stück für Stück in die Welt des Drachenlabyrinths hinein, sowohl was die Spielregeln betrifft, wie auch das Wissen um die Welt und die Aufträge. Ein Einsteiger, der eine Frage hat findet immer einen erfahrenen Spieler, der ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Stück für Stück lernt er die Aufträge kennen und taucht ein in die Abenteuerwelt. Auf diese Weise wird aus dem Einsteiger schon nach kurzer Zeit selbst ein Experte, der anderen weiterhelfen kann. Der Hilfesuchende wird so zum Helfer. Expertenwissen ergibt sich direkt aus der Teilnahme am Abenteuer. Es ist völlig unabhängig von Alter, Kultur und sozialer Herkunft. So kann auch ein Schulanfänger einem Jugendlichen, der viel größer ist, als Experte weiterhelfen.

Angstbewaeltigung

Das Drachenlabyrinth ist eine faszinierende fremde Abenteuerwelt. Das Unbekannte löst in uns Angst aus – eine natürliche Reaktion, die Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen kennen. Angst begegnet uns im Alltag in vielerlei Formen, von Prüfungsangst bis Angst vor der Dunkelheit. Die eigene Angst besiegen zu können ist eine wertvolle Erfahrung, die uns stärkt und uns Mut für unseren Alltag gibt. Auch zu akzeptieren, dass Angst jeden betrifft, und dass Mut gerade darin besteht sie zu überwinden ist ein wichtiger Lernerfolg. Kinder bringen ihre Ängste ins Drachenlabyrinth mit. Der erste Schritt für viele Kinder besteht darin zu erkennen, dass die Ängste unbegründet sind und dass sich Angst kontrollieren lässt.

Motivationstraining

Wie effektiv sich ein Mensch für eine Sache motivieren kann hängt nicht nur von der Interesse vom Thema und von der Konzentrationsfähigkeit ab, sondern auch wie die eigene Leistungsfähigkeit bewertet wird. Viele Kinder erleben in der Schule, dass sie den hohen Anforderungen nicht zu ihrer Zufriedenheit gewachsen und geben bei Aufgaben, die sie als zu schwer einschätzen immer schneller auf. „Das verstehe ich nicht / kann ich nicht“ ist eine Aussage, die häufig zu hören ist. Im Drachenlabyrinth lernen Kinder spielerisch, dass jede Aufgabe lösbar ist. Ohne Zeitdruck, mit Unterstützung anderer Kinder und hilfreichen Tipps kommt jeder ans Ziel. Stück für Stück meistern die Kinder die ersten, einfachen Aufträge, ohne dass eine Überforderung entsteht. Das Spielgeld bietet den Kindern nach jeder Aufgabe eine greifbare Belohnung. Der schnelle sichtbare Erfolg motiviert die Kinder, sich auch an schwierigere Aufträge zu trauen. Im späteren Expertensystem erfahren die Kinder schließlich auch, dass es sich lohnen kann auf eine sofortige Belohnung zugunsten eines Langzeitzieles zu verzichten. In kleinen Schritten verlagert sich die extrinsische, äußere Motivation so zu einer intrinsischen, innere Motivation.

Verbesserung der Selbstwahrnehmung

Kinder entwickeln im Laufe der Zeit ein Selbstbild von sich, doch dieses ist längst nicht so konkret wie das eines Erwachsenen. Durch ihre Erfahrung in der Schule bezieht sich ihr Selbstbild oft hauptsächlich auf schulische Leistungen und auf das Beherrschen von Fachwissen. Besonders in traditionell ausgerichteten Schulen, wo die Kinder unter Zeitdruck und im Gleichschritt lernen, fehlt den Kindern jedoch oft die Möglichkeit, ihr Können selbst einzuschätzen und eigene Erfahrungen zu machen. Dies führt dazu, dass viele Kinder ihre Fähigkeiten deutlich unter- oder überschätzen.
Im Drachenlabyrinth erhalten Kinder die Möglichkeiten, sich unter den vielen zur Verfügung stehenden Aufgaben selbst eine mit passendem Schwierigkeitsgrad auszuwählen und diesen zu regulieren. Nach und nach finden die Kinder heraus, welcher Schwierigkeitsgrad ideal für sie ist. Aufgaben, die zunächst zu schwierig gewählt sind lassen sich mit Hilfe anderer Kinder doch noch lösen, und zu einfache Aufgaben motivieren dennoch durch die schnell erhaltene Belohnung. So kommt auf dem Weg zur eigenen Selbsteinschätzung nie Frust auf.
Selbsteinschätzung umfasst jedoch noch mehr als Leistung und Können. Im Umgang mit anderen Kindern erhalten die jungen Abenteurer Rückmeldung zu ihren sozialen Kompetenzen. Dieses Feedback hilft den Kindern, ihre eigene Selbstwahrnehmung an die Fremdwahrnehmung anzupassen.

Staerkung des Selbstbewusstseins

Das Drachenlabyrinth bietet eine großartige Abenteuerwelt mit Herausforderungen verschiedenster Art. Das Lösen von Aufgaben ebenso wie das Überwinden der eigenen Angst oder das Zugehen auf andere Kinder. Was für den einen ganz einfach erscheint, stellt für den anderen ein gewaltiges Hindernis dar. Im Drachenlabyrinth können sich Kinder spielerisch in allen Bereichen üben, ohne Zeitdruck und Druck durch Erwachsene. Sie lernen, dass sie an den Herausforderungen wachsen können und das jeder Erfolg, sei er auch noch so klein, motiviert weiter zu machen und schwierigere Dinge zu probieren. Das gibt den Kindern Kraft und stärkt ihr Selbstbewusstsein auch für Herausforderungen außerhalb des Drachenlabyrinths.

Fehler und Irrwege als Chance ansehen

Jeder kennt aus seiner eigenen Kindheit das Gefühl, vor einer korrigierten Klassenarbeit zu sitzen und sich die Haken und „f“ anzuschauen. In unserem traditionellen Schulsystem zählt es, richtige Ergebnisse vorzuweisen, alle Fehler sind schlecht und müssen vermieden werden. Doch jeder macht Fehler, und gerade Fehler bieten uns die Chance zu lernen und uns zu entwickeln. Im Drachenlabyrinth erhalten Kinder eine Belohnung für richtige Antworten. Eine falsche Antwort ist dabei nichts schlimmes, jede Entdeckung und Idee ist von Wert. Ein unbekannter Gang, der bei einer Aufgabe nicht weitergeholfen hat kann bei der nächsten Aufgabe zum Ziel führen, und eine vermeintlich nutzlose Notiz an der Tür kann für einen anderen genau die gesuchte Botschaft sein. Dies motiviert die Kinder, Fehler und Irrwege als wertvolle Ressourcen zu erfahren, aus denen man für die Zukunft lernen kann.
Weiterführender Artikel: Parents: let your kids fail (englisch)

Konflikte Loesen und Aushalten

In einer Gruppe hat nicht jeder die gleiche Meinung, unterschiedliche Wünsche und Erwartungen treffen aufeinander. Diese natürliche Spannung in der Gemeinschaft ist völlig normal. Kindern fehlt oft ein Rahmen, in dem sie sich mit Konflikten aktiv auseinandersetzen können. Wir Erwachsene neigen dazu, ihre Konflikte frühzeitig zu lösen: In der Schule ermahnen Lehrer bei Fehlverhalten, zu Hause übernehmen Eltern die Führung wenn das Kind nicht weiterkommt. Im Drachenlabyrinth erhalten Kinder einen Rahmen, im dem sie mit Gleichaltrigen verschiedene Strategien zur Lösung eines Konfliktes ausprobieren können: Gehen wir den Gang links oder rechts entlang? Machen wir den nächsten Auftrag oder handeln wir erst noch? Bleiben wir in der Burg oder gehen wir in die unheimliche Ruine? Mit jeder Entscheidung, welche die Gruppe gemeinsam trifft, lernen die Kinder auch mehr darüber, wie sie mit Konflikten umgehen können.
Warum es wichtig ist, Kindern nicht vor Konflikten abzuschirmen, beschreibt der dänische Pädagoge Jesper Juul in seinem Artikel "Die Botox Kultur schadet dem Selbstgefühl der Kinder".